Worte und Bilder verwoben zu Zeichen eines Lebens...

Mutter ist Tod. Ein sozusagen Nachruf.

Bitte keine sogenannten Beileidsbekundungen zu diesem Text als Kommentar, denn zum einen konnte ich damit noch nie was anfangen sowie empfinde das als unsinnig. Zum anderen nervt mich sowas total, da das so eine Pseudo Etikette darstellt die ein jeder nur so dahin sagt im Angesicht von Angehörigen und auf dem Begräbnis.

Ich hatte nur bedingt sowas wie eine Beziehung zu meiner Mutter, lediglich das Wissen darum dass sie meine Mutter war. Mittlerweile weiß ich bedingt durch etliche Stunden an Therapie das keine „Mutter-Kind“ Bindung zwischen mir und meiner Mutter existierte und dadurch so manche Problematik in meiner Entwicklung besonders die Psyche nun einen Sinn ergibt. Denn wenn keine Mutter-Kind Bindung zwischen einer Mutter und dessen Kind besteht dann ergeben sich daraus immer ganz interessante (Ironie) Zusammenhänge in der Entwicklung des Kindes.

Gerne würde ich an dieser Stelle davon erzählen, dass ich sehr klare Erinnerungen an meine ersten Jahre des Lebens auf dieser Welt habe und somit auch an meine Mutter, nur das wäre gelogen und nichts außer einer haltlosen Behauptung. Ja ich habe bestimmt solche Erinnerungen, denn auch andere kuriose Verknüpfungen an Momente in meiner frühen Kindheit existieren die normal nicht vorkommen, nur habe ich auf diese speziellen Erinnerungen keinen bewussten Zugriff und bisher auch nicht gehabt. Längst weit vergangen sind die Jahre mit schweren Depressionen, in denen mich solche Erinnerungen aus frühester Kindheit dann immer wieder wie eine Welle überrollten und ich gar nicht so Recht wusste wie mir geschieht oder was ich damit machen könnte.

Mutter und ich hatten keine Beziehung zu einander, in keiner Art und Weise. Sie war für mich nur die Person, die mich geboren hat eben meine Mutter. Ich war wohl Anfangs in den ersten Tagen/Wochen nach der Geburt für meine Mutter wohl eben so dass süßeste Kind auf der Welt wie das bei allen Müttern der Fall ist. Soweit so normal, denn das ist Biologie und Evolution die da im Zusammenhang mit Hormonen die Sichtweise einer jeden Frau in diesem Moment beinflussen sowie steuern. So gesehen ein Erbe aus der Urzeit, als unsere Vorfahren noch in Höhlen lebten und relativ primitive Instinkte das Überleben sicherstellten.

Nach diesem Zeitraum von ein paar Tagen oder Wochen war ich für meine Mutter lediglich eine Last, die ihr jene Karriere erschwerte sowie letztendlich beendet hatte. Wo vorher bedingt durch meine Geburt noch so etwas wie Liebe existiert hatte, war nun nichts mehr, Eiszeit bis zu ihrem Tod 2018. Ich habe das gespührt, das zwischen mir und meiner Mutter was nicht stimmte, schon sehr früh. Nennt sich Emotionale Erinnerung, kann nachgelesen werden bei Interesse.

Das ich früh ein Schlüssel-Kind wurde war somit abzusehen, zumindest für mich ergibt das Sinn nun im erwachsenen Alter.

Gekümmert hat sich meine Mutter um mich in sofern, das sie dass nötigste gemacht hat damit ich nicht verwahrlost aussehe sowie es keinen Stress mit Vater gab deswegen. Rollenverteilung war soweit das meine Erinnerungen angeht noch sehr konservativ geregelt zwischen Mutter und Vater, was sich erst in der Jugend veränderte. Jugendzeit war die Zeit für mich als mir langsam dämmerte was ich für meine Mutter war, etwas das sie nicht gewollt hatte und auch jetzt nur wieder-strebend sich mit beschäftigte. Essen kochen ja, sich darüber hinaus mit dem Kind beschäftigen eher nicht und nur so viel wie nötig wenn das Umfeld drauf schaute.

Da ich in eine relativ große Familie hinein geboren worden war, die damals so ziemlich alle unter einem Dach lebten, übernahm dann eine meiner Tante die quasi Erziehung von mir, soweit das möglich sowie machbar war. Denn die Kommunikation und das zusammen leben zwischen Mutter und jener Tante war auch nicht so das Beste, auch wenn das im Nachhinein gerne mir abgesprochen wird was diese Erinnerung angeht. Ich könnte nun noch davon erzählen was sonst noch alles nicht so lief wie es sollte in einer Familie laut dem was so angeblich der Status Quo ist, doch das ist nicht Bestandteil dieses Textes und zum anderen verarbeitete ich solche Sachen in einen Buch an dem ich schreibe. Mehr zu der Thematik mit dem Buch am Ende des Text.

Nicht gewollt sein ist eine Sache, das zu erfahren sowie mitgeteilt bekommen eine ganz andere Erfahrung.

Früh bemerkt hatte ich damals schon das irgendwie was nicht mehr stimmte zwischen Mutter und Vater, konnte jedoch erst nicht genau erfassen worum es ging. Mit den folgenden Jahren in der Jugend sowie darüber hinaus wurde mir dann schnell klar, das eine Scheidung sich anbahnt und nicht mehr aufzuhalten ist. Auch das ich in dieser Scheidung der Ehe meiner Eltern eine Rolle spielen werde, wenn auch gleich nur 1mal jedoch meine Entscheidung dann weitreichende Konsequenzen haben wird.
Da ich zu jener Zeit noch der Hoffnung hinter her hechelte, das ich vielleicht doch noch eine Art von Verbindung zu Mutter aufbauen könnte, hielt ich erst noch zu Mutter und half sogar bei ihrem Auszug aus dem Haus als Vater im Urlaub war.
Mittlerweile weiß ich, das dieses Verhalten damals von mir Recht typisch ist für ein Kind das zurück gewiesen wurde von seiner Mutter und ich da keinerlei Schuld ans Bein binden müsste. Dennoch habe ich lange mich schuldig gefühlt, dafür dass ich Mutter einst half bei ihrem Auszug als Vater nicht da war und somit Vater quasi hinterging.

Immer erst die Schuld bei sich selbst suchen, dann bei anderen. Wie lange und schwer hat mich diese Konditionierung im Griff gehabt, wie viele Jahre meines Lebens habe ich diesen Murks geglaubt den mir Mutter einst eingetrichtert hatte. Zu viele Jahre, zu lange. Sich davon zu befreien hat lange gedauert, schwer wie ein Entzug von einer Sucht, wovon ich auch so manches selbst erlebt habe. Das alles ergibt auf eine ätzende, traurige, perfide, wütende Weise einen Sinn, wenn ich das große Ganze anstatt die vielen einzelnen Teile betrachte. Lediglich nur knapp 20 Jahre meines bisherigen Leben habe ich für diese Erkenntnis gebraucht, besser spät als nie. Ohne die Hilfestellungen von Therapeuten wäre ich nie soweit gekommen, sondern hätte in der nächsten schweren Depression dem ganzen ein Ende gesetzt. Ich weiß wovon ich spreche, weil ich verdammt noch mal oft genug an diesem Punkt war und nur durch Hilfe von Therapie noch am Leben bin. Ich weiß was und wie die Wirkungsweisen sind und dennoch kann ich alleine kaum etwas damit anfangen, brauche ich Hilfe von anderen. Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern bedeutete Mut sich selbst und anderen gegenüber einzugestehen das alleine nicht alles lösbar ist im Leben. Auch das habe ich gelernt mit der Zeit, wo mir vorher von Mutter eingeprägt wurde das Hilfe suchen Schwäche bedeutet und Jungs die zu Männern werden nicht schwach sein dürfen.

Vater hatte auch seinen Anteil/Einfluss an solchen fatalen Lehrstücken, das will ich nicht schön reden an dieser Stelle. Doch im Gegensatz zu Mutter hat Vater sich seither zum besseren verändert und versucht so gut ihm möglich Wiedergutmachung zu leben.

Als dann jener Tag kam an dem ich eine Entscheidung mit treffen konnte innerhalb des Prozesses mit der Scheidung einer Ehe die bis dato Jahrzehnte gedauert hatte, da war mir klar was passieren wird wenn ich für eine Seite mich entscheide. Weil ich schon immer mehr in Realität gedacht und gelebt habe, als wie mir das zugestanden wurde von meinem Umfeld. Ich entschied mich für meinen Vater, der sich in den vergangenen Jahren mehr für mich interessiert sowie gekümmert hatte wie Mutter und das seither auch noch tut. Mir war klar was meine Entscheidung bedeutet für jegliche weitere Kommunikation bezüglich Mutter, auch wenn selbige sowie Verwandtschaft da gänzlich anderer Meinung waren.
Ich könne das gar nicht erfassen, hieß es immer nur. Falsch, ihr konntet nicht erfassen das ich die bittere Wahrheit schon längst begriffen hatte als ihr noch dabei wart zu verstehen was passiert war.

Seit diesem Tag war das bisschen an Kommunikation was vorher noch vorhanden war zwischen mir und Mutter dann in Gänze beendet. Denn ihre letzten Worte in einem Telefonat waren „du hättest dich nicht einmischen sollen, weil dich das nichts anging und nur eine Sache zwischen mir und deinem Vater war sowie ist.“

Dies zeigt leider auch wieder wie falsch das Denken von Mutter war, auch wenn gleich rein rechtlich das so sein mochte.

Wenn du als Frau kein Kind willst, dann verhüte. Wenn dennoch ein Kind dabei heraus kommt und du als Frau dich nicht in der Lage fühlst damit richtig umzugehen sowie zu leben, dann mach eine Abtreibung. Wenn das dafür schon zu spät ist, schenke dem Kind das Leben und gebe das Kind dann zur Adoption frei.
ERSPARE wenn möglich dem Kind nur diese Art von Mutter, wie ich das hier beschrieben habe in einer groben wie kurzen Zusammenfassung, wenn du das starke Innere Gefühl hast damit überfordert zu sein.

Denn sobald du als Frau dich dem Kind annimmst, hat jenes Kind auch das Recht dazu sich in dein Leben einzumischen denn genau das hast du einst auch gemacht ohne um Erlaubnis zu fragen.

Wenn ich also nun davon schreibe das Mutter tot ist und das gut so ist, dann bedeutet dass genau das was da steht. Ein endgültiger Abschluss, der vorher nur theoretisch war und nun endgültig ist. Für mich war Mutter seit jenem Tag für mich gestorben, seit ich dieses Telefonat mit ihr hatte. Nun ist das gedanklich gestorben in Realität umgesetzt sowie im rechtlichen Sinne bindend.

Was mich daran nur stört ist der Punkt, das irgend ein Teil von oder in mir dennoch der Meinung ist dass ich Trauer empfinden sollte weil meine Mutter nun gestorben ist. Das macht mich mitunter sehr wütend, das dieser vermurkste Einfluss doch noch so lange nachwirkt. Dann auch wieder sehr traurig, weil mir das auch zeigt dass ich eben noch nicht alles so gut verarbeitet habe wie ich dachte. Auch freudig macht mich das, denn ich weiß nun dass eine Sache definitiv vorbei ist.

Was die Verwandtschaft von der Seite von Mutter angeht, für den Fall dass Personen daraus dass hier lesen: Ihr habt euch über 1 Jahrzehnt nicht gemeldet, also kommt nun nicht angekrochen um euch darüber zu beschweren wie anstrengend die Verwaltung des Nachlass ist.

An der Beerdigung werde ich NICHT teilnehmen noch irgendwie Kontakt zu dieser Seite von ehemaliger Familie suchen sowie zukünftig ignorieren. Manche sagen mir nach, ich hätte lange Geduld, doch auch die hat Grenzen.


Nun ist es raus, ich schreibe ein Buch über mein bisheriges gelebtes Leben was mit stand 2018 dann 35 Jahre sind. Obgleich ich unter einem Pseudonym schreibe was sowohl für mich wie auch andere der beste Weg ist, denn so kann kaum jemand Rückschlüsse ziehen auf die echten Personen was mir wiederum wichtig ist.
Zu dieser Idee mit dem Buch bin ich NICHT über Nacht gekommen, sondern mir wurde diese Idee vor Jahren schon von einem Therapeuten nahegelegt mit den Worten: „Wenn sie wissen dass ihnen Schreiben gut tut, dann schreiben sie alles in einem Buch auf. Ob sie das Buch dann öffentlich machen, ergo veröffentlichen, um anderen Menschen eine Art von Beistand damit zu geben bleibt ihnen überlassen.“

Wenn ich mit dem Schreiben daran fertig bin, wird die erste Fassung allen Personen meiner Familie zukommen, anonyme ohne Absender. Danach dann weiter sehen ob und wie eine Publikation möglich ist.

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